Mediendatenbank Biologie
Betrachten
Vergrößerte Ansichten nur auf CD-ROM

Das Betrachten ist ein aufmerksames und denkaktives Schauen in ruhende Objekte wie Bilder, Objekte, Präparate oder Modelle. Am Anfang steht das emotionale Wirkenlassen und das Staunen über die Schönheit der Natur. Der Ursprung für diese Zugangsweise ist bereits bei den antiken Philosphen zu finden, z.B. bei Aristoteles und Platon. Das gedankenvolle Sinnen und Träumen führt zu einem Nachdenken über die Dinge. Der staunende Mensch ist ganz bei den Dingen und bei sich selbst.
 
Diese Grundhaltung ist auch bei dem Pädagogen Martin Wagenschein zu finden: Am Anfang seines Unterrichts steht eine die Spontanität des Lernenden herausfordernde Staunensfrage oder ein Phänomen. Dies führt zu einer intensiveren Betrachtung und Beschäftigung mit dem Objekt. Es entsteht eine Fragehaltung, in deren Prozess mögliche Erklärungen gefunden werden. Das Begreifen von höheren, gesetzmäßigen Zusammenhängen löst ein höheres Staunen über das Wunderwerk der Natursysteme aus.
 
 
Beispiele

Auf der Blüte des Frauenschuhs lebt eine Spinne, die den anfliegenden Insekten auflauert. Die "Veränderliche Krabbenspinne" (Misumena vatia) hat sich ganz an die Farbe der gelben Orchideenblüte angepasst.
 

Bild vergrößern!
 
Bild vergrößern
 
 
Das Betrachten dieses Bildes wirft eine ganze Reihe an Fragen auf, zum Beispiel: Vertiefende Erkenntnisse werden gewonnen, wenn die Lockmittel der Pflanzen zur Bestäubung miteinander verglichen werden. Dabei spielen vor allem Düfte, Farben und Formen eine Rolle, z.B. bei der Fliegen-Ragwurz:
 
Bild vergrößern!
 
Die Fliegen-Ragwurz imitiert perfekt das Aussehen weiblicher Fliegen
 
 
Beim Aronstab werden Fliegen durch einen Aasgeruch angelockt und stürzen in den glatten, ölbeschichteten Kessel der Blüte. Während beim Aronstab die Fliege überlebt, sind die fleischfressenden Pflanzen auf die Insekten als Nahrung aus. Bei der in den Tropen beheimateten Kannenpflanze sind manche Blätter zu einem kannenförmigen Fangblatt mit Deckel umgebildet. Der farbige Randwulst und eine Nektarabsonderung locken Insekten an, die dann auf dem wachsüberzogenen Rand abgleiten und in die Kanne fallen. Ein Entkommen ist nicht mehr möglich. Die Kanne enthält Verdauungssäfte, die die gefangenen Insekten zersetzen.
  
Bild vergrößern!
 
Fangblatt einer Kannenpflanze
 
 
Bei der zu den Sonnentaugewächsen gehörenden, nordamerikanischen Venusfliegenfalle sind zwei Blätter zu einem Fang-Klappmechanismus umgewandelt. Die Ränder der Fangblätter weisen lange spitze Borsten auf. Bei Berührung der Fühlhaare an der Innenseite der Blätter klappen die Hälften zusammen, und das Insekt ist gefangen. Beim europäischen Sonnentau sind die Blattflächen mit klebrigen Drüsenhaaren besetzt, die die Insekten festkleben.
  
Bild vergrößern!
 
Venus-Fliegenfalle
 
 
In der Natur, in botanischen Gärten, aber auch in Filmen lassen sich die Vorgänge in zeitlicher Abfolge beobachten. Betrachten und Beobachten hängen als fachspezifische Arbeitsweise eng miteinander zusammen. Während das Betrachten eher bei ruhenden Objekten (z.B. beim Mikroskopieren einer Vogelfeder) im Vordergrund steht, werden beim Beobachten zeitliche Vorgänge wahrgenommen (z.B. beim Beobachten des Vogelfluges).
 
Vor einer Einführung in das Mikroskopieren betrachten die Schülerinnen und Schüler den Mikrokosmos mit Hilfe einer Lupe. Sie wandern in der Natur und sehen die Welt aus einer anderen Perspektive. In einer nächsten Stufe rekonstruieren sie die Wirklichkeit und beschreiben die betrachteten Merkmale. Sie beschreiben das Gesehene, sie werfen Fragen auf, sie verbalisieren, sie zeichnen und sie schreiben Erlebnisberichte.
 
 
Copyright: T. Seilnacht
www.digitalefolien.de