Die Bestäubung

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Ein Widderchen saugt mit seinem Rüssel Nektar


Die Übertragung des Pollens von den Staubbeuteln auf die Narbe der Pflanze wird als Bestäubung bezeichnet. Als Übertragungsweg existieren mehrere Möglichkeiten. Bei der Windbestäubung werden Massen von Pollen über die Luft auf andere Pflanzen übertragen. Die Pollenkörner sind sehr leicht oder weisen Schwebevorrichtungen wie Luftsäcke auf, so auch bei der Kiefer. Diese Art der Bestäubung kommt bei vielen Bäumen und Sträuchern vor, so beim Hasel oder bei der Weide. Bei der Wasserbestäubung wird der Pollen über das Wasser übertragen. Sie kommt jedoch sehr selten vor, zum Beispiel beim Hornblatt. In den Tropen sind zahlreiche Pflanzenarten auf Vogelbestäubung angewiesen, diese Aufgabe übernehmen beispielsweise die Kolibris. Aber auch Bestäubungen durch Fledermäuse oder durch Schnecken - bei der Haselwurz - kommen vor.

Die am weitesten verbreitete Bestäubungsart ist die Insektenbestäubung. Dabei spielen vielerlei Werbemittel eine Rolle. Meist bieten die Pflanzen Pollen oder Nektar an und erhalten als Gegenleistung den Transport des Pollens.

1. Werbemittel: Pollen

Viele Pflanzen bieten Pollen im Überschuss an. Der Pollen wird von den Honigbienen mit der Putzscharte ihrer Vorderbeine aus dem eigenen Haarkleid gebürstet und in den Pollenkörbchen an den Hinterbeinen gesammelt. Pollen enthält 16-30% Eiweiße, 1-7% Stärke, bis zu 15% Zucker, 3-10% Fett und 1-9% Mineralstoffe.


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Der Wiesensalbei besitzt einen raffinierten Bestäubungsmechanismus


2. Werbemittel: Nektar

Noch wichtiger als der Pollen ist für die Insekten der zuckerreiche Nektar, den die Pflanzen aus Nektarien anbieten. Beim Wiesensalbei finden sich die Nektardrüsen hinter dem Fruchtknoten tief am Grund der Kelchblätter. Wenn eine Honigbiene mit ihrem Saugrüssel an diese Stelle gelangen will, muss sie auf die Unterlippe des Lippenblütlers sitzen und eine Platte nach hinten drücken.


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Arbeitsblatt
Lösungen


Durch ein Gelenk beugen sich die langen Hebelarme der Staubfäden nach unten. Die Staubbeutel laden dabei den Pollen auf den Rücken des beharrten Besuchers. Bei älteren Blüten sind die Staubbeutel geschrumpft, und der Griffel mit seiner gespreizten Narbe hängt herab, so dass die anfliegenden Insekten mit ihrem Rücken die Narbe streifen. Durch diesen Mechanismus wird eine Selbstbestäubung der Pflanze verhindert. Bienen fliegen pro Ausflug immer die gleiche Blütenart an. Der Nektar wird von der Honigbiene mit dem Löffelchen der Zunge aufgenommen und im Honigmagen, einem besonderen Abschnitt der Speiseröhre, zum Bienenstock transportiert. In diesem Organ der Biene wandelt sich der Nektar in Honig um.


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3. Werbemittel: Farben

Farbige Blüten weisen auf ein besonderes Angebot hin. Bienen besitzen ein Farbengedächtnis und bevorzugen blaue und gelbe Blüten. Die Blütenfarbstoffe werden von den Pflanzen selbst gebildet. Zu den Farbstoffen gehören die Anthocyane, das beta-Carotin, die Chlorophylle und die Favonole.


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Farbige Blüten verlocken die Insekten zum Besuch.


4. Werbemittel: Duftstoffe

Ätherische Öle machen Bienen auf das Vorhandensein von Nektar und Pollen aufmerksam. Beim Aronstab werden Fliegen durch einen Aasgeruch angelockt und stürzen in den glatten, ölbeschichteten Kessel der Blüte. Abwärts gerichtete Reusenhaare verhindern ein Entweichen.


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Arbeitsblatt
Lösungen


Beim Herumkriechen im Kessel belegen die Fliegen die weiblichen Stempelblüten mit mitgebrachtem Blütenstaub. Die Stempelblüten sondern einen schleimigen Saft aus, der den Fliegen als Nahrung dient.


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Während der Nacht öffnen sich die männlichen Staubblüten und streuen Blütenstaub auf die darunter sitzende Fliege. Nun welken die Reusenhaare, und die Fliege kann am Kolbenstil emporklettern. Das Kesselfallenprinzip wird von zahlreichen Pflanzen verwendet, so auch vom Frauenschuh.


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Aronstab: Blüte
Aronstab: Fruchtstand


5. Werbemittel: Vortäuschen eines Sexualpartners

Durch das Aussehen der Blüten der Fliegen-Ragwurz werden männliche Fliegen angelockt, die auf Kontakt zu einem vermeintlichen Weibchen aus sind. Gleichzeitig produziert die Blüte Duftstoffe, die den weiblichen Sexuallockstoffen der Fliegen ähnlich sind. Durch das Vortäuschen eines Sexualpartners werden die männlichen Fliegen dazu gebracht, die Pollenpakete von Blüte zu Blüte zu übertragen. So ist die Fortpflanzung der Fliegen-Ragwurz gesichert.


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Die Fliegen-Ragwurz imitiert das Aussehen weiblicher Fliegen.


6. Werbemittel: Schutz und Wärme, Nachtquartier

Andere Pflanzen bieten den Besuchern Schutz und Wärme oder ein Nachtquartier. In der Blüte der Tollkirsche können kleine Käfer übernachten. Nachts kommen sie jedoch nicht an den Nektar, da sich über dem Fruchtknoten Sperrhaare befinden.


7. Werbemittel: Brutplatz

Die Yucca ist eine Palmlilie, die gerne in Wohnräumen als Zimmerpflanze gehalten wird. In ihrer Heimat, dem Südwesten der USA, ist sie bei ihrer sexuellen Fortpflanzung ganz auf die Yucca-Motte angewiesen. Die Motte legt ihre Eier in die Palmlilie und befruchtet dabei die großen, weißen Blüten, die sich nur nachts öffnen.


Copyright: Thomas Seilnacht