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Das Färben mit Farbstoffen
von Thomas Seilnacht
 
Die Großansichten zum Drucken und Präsentieren finden Sie auf der CD-ROM.
 
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Farbkreis der Naturfarbstoffe:
(gelb: Reseda, orange: Krapp, rot: Cochenille, lila: Blauholz, blau: Indigo, grün: Mischung)
 
Färbepflanzen enthalten in verschiedenen Pflanzenteilen wasserlösliche Farbstoffe, mit denen Stoffe gefärbt werden können. Dabei kommen nach einer alten Tradition der Färber nur Pflanzen in Frage, die nicht für die Essenszubereitung verwendet werden können. Im folgenden werden einige Beispiele genannt, wie die Farbstoffe zum Färben genutzt werden können:
 
1. Beizenfarbstoffe
Damit die Farbstoffe dauerhaft auf den Textilgeweben haften, müssen die Stoffe vor dem eigentlichen Färben vorgebeizt werden. Beizmittel wie Alaun machen die Stofffaser beim Beizen erst Aufnahmefähig für Farbstoffe. Hierbei werden die Textilien einfach in eine heiße Weinstein- oder eine Alaunlösung getaucht.
 
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Das Beizen von Wolle vor dem Färben
 
Zum Färben werden bestimmte Pflanzenteile zunächst gesammelt, getrocknet und zerkleinert. Dann kocht man sie in einem Topf mit Wasser, wobei sich die Farbstoffe im Wasser lösen. Nun filtriert man ab und erhält einen Farbstoffextrakt, in den die vorgebeizten Textilien hineingetaucht werden.
 
Blüten und Blätter von Blütenpflanzen
Vor allem Gelbtöne werden mit den Blüten und den Blättern einiger Färbepflanzen erreicht. Dazu gehören zum Beispiel die Reseda (Färberwau), die Färberkamille oder der Färberginster. Die Reseda enthält den Farbstoff Luteolin, der sehr lichtecht und dauerhaft beständig ist.
 
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Blüte der Färberkamille
 
Wurzeln und Hölzer
Die unscheinbare Krapppflanze enthält in ihrem Pflanzensaft und in den Wurzeln den roten Farbstoff Alizarin. Die Wurzeln werden ausgegraben, getrocknet und zerkleinert. In Mittel- und Südamerika sind viele Baumarten beheimatet, deren Farbhölzer sich ebenfalls als Beizenfarbstoffe eignen. Dazu gehören zum Beispiel der Blauholzbaum (Haematoxylum campechianum), der in seinem Holz den stark lila färbenden Farbstoff Hämatoxylin enthält.
 
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Zerkleinerte Wurzel der Krapppflanze
 
Beeren und Früchte
Die amerikanische Kermesbeere bildet eine Beerenfrucht, die zunächst dunkelrot ist und später dann ganz schwarz wird. Die Beeren enthalten den roten Farbstoff Betanin, der auf dem vorgebeizten Textilgewebe eine dunkelrote Färbung ergibt.
 
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Früchte der amerikanischen Kermesbeere
 
2. Küpenfarbstoffe
Indigopflanzen enthalten in ihrem Saft einen gelben, wasserlöslichen Farbstoff, der durch Gärung mit Hilfe von Urin in Bodengruben zu einem wasserunlöslichen, blauen Farbstoff umgewandelt werden kann. Beim Eintrocknen der Gruben enthält man eine feste blaue Masse, die zu Blöcken für Handel und Transport verarbeitet wird.
 
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Koffer mit Indigoblöcken
 
Zum Färben werden die Indigoblöcke pulverisiert und mit einem sogenannten Verküpungsmittel wieder in die ursprüngliche wasserlösliche und gelbe Form gebracht. In die so hergestellte Küpe werden die Textilstücke getaucht, die sich vorerst knallgelb färben. An der Luft wandelt sich der gelbe Farbstoff auf den Textilstücken dann schließlich wieder zum blauen Indigo um. Auf diese Art und Weise werden noch heute die Jeans gefärbt, sofern noch echter, pflanzlicher Indigo verwendet wird.
 
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Die in der Indigoküpe gefärbten Textilstücke sind zunächst gelb,
sie färben sich erst an der Luft nach einer Weile blau
 
Zur Geschichte der Farbstoffe
Die ältesten Funde von Farbstoffen auf Textilgeweben stammen aus der Zeit um 3.000 vor Christus. In germanischen Siedlungen aus der jüngeren Steinzeit wurden Reste von Samen und Pflanzen gefunden, die für das Färben geeignet sind. Spuren von pflanzlichen Farbstoffen wie Krapp oder Indigo wurden auf Mumienbändern und Textilresten in den altägyptischen Gräbern gefunden. Auch in der Türkei weisen zahlreiche Wandmalereien aus der Steinzeit auf das Tragen von farbiger Kleidung und auf die Tradition des Teppichwebens und -färbens hin.
 
Die Farbe Rot war in Rom die Farbe der Kaiser und des Adels. Ein feuriges Rot konnte damals nicht aus Pflanzen erhalten werden. Man verwendete einen Saft aus der Drüse von Purpurschnecken, der einen gelbroten Farbstoff enthielt. Um 1 Gramm Purpur zu gewinnen, mussten ca. 8000 Schnecken getötet werden! Dies erklärte auch, warum nur der römische Cäsar Purpurgewänder tragen durfte. Ein römischer Senator musste sich dagegen mit einem roten Streifen auf der Schulter begnügen.
 
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Purpurschnecke (murex trunculus)
 
Ein roter Farbstoff (Orseille) konnte auch aus der Färberflechte Rocella tinctoria gewonnen werden, die heute im Mittelmeer oder auf den Kanarischen Inseln häufig zu finden ist. Theophrastus (371-287 v. Chr.), ein griechischer Philosoph und Naturforscher berichtete über das Färben mit dieser Flechte, die „in ihrer Färbung viel schöner als die des Purpurs ist.“
 
Im Reich Karls des Großen (747-814 nach Chr.) besaß der Anbau und Handel mit Färberwaid, Krapp und Reseda große wirtschaftliche Bedeutung. Der rote Purpur wurde allmählich durch das Cochenille der Kermeslaus verdrängt. Diesen Farbstoff gewann man aus getrockneten weiblichen Kermesschildläusen, welche als Saftsauger die Scharlacheichen des Mittelmeergebietes besiedeln.

Die Eroberung Mexikos 1532 durch die Spanier brachte einen neuen roten Farbstoff nach Europa. Mit dem Cochenillerot aus getrockneten Läusen der amerikanischen Cochenillelaus, die auf dem mexikanischen Feigenkaktus Opuntia coccinelliferia saugt, konnte eine intensiv wirkende Färbung auf Textilien erreicht werden. Es verdrängte das Purpurrot und das Kermesrot vollständig. Ab 1824 wurde die Schildlaus auf den Kanarischen Inseln angesiedelt und ist bist heute dort anzutreffen. Die Schildläuse werden gesammelt, getrocknet und zu einem feinen Pulver zermahlen. Cochenillerot ist auch ein beliebter Lebensmittelfarbstoff, z.B. im roten Campari.
 
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Cochenilleläuse auf einer Opuntie in Fuertventura
 
Im Jahre 1856 entdeckte der 18jährige Student William Perkin in London den ersten, künstlich hergestellten Anilinfarbstoff, der Seide zu färben vermochte. In der Folgezeit verdrängten die aufkommenden, auf chemischem Wege - vor allem aus Erdölprodukten - hergestellten Farbstoffe die ehemaligen Naturfarbstoffe fast vollständig vom Markt. Seit einiger Zeit jedoch erleben die pflanzlichen Farbstoffe - vor allem aufgrund der zunehmenden Knappheit der fossilen Rohstoffe - wieder eine Renaissance.
 
Copyright: T. Seilnacht
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