Liliengewächse
und Lilien
Auswahl
europäischer Arten, © Fotos und Texte T. Seilnacht
Die Lilien oder die Liliengewächse
(Liliaceae) stellen eine Familie innerhalb der Ordnung der Lilienartigen
(Liliales) dar. Innerhalb dieser Ordnung existieren weitere Familien wie
die der Herbstzeitlosengewächse oder die Familie der Schwertliliengewächse,
zu denen auch der Krokus gehört:
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Ordnung Lilienartige
Familie Liliengewächse
Beispiel: Schachblume
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Ordnung Lilienartige
Familie Schwertliliengewächse
Beispiel: Schwertlilie
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Ordnung Lilienartige
Familie Herbstzeitlosengewächse
Beispiel: Herbstzeitlose
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Die Familie der Liliengewächse
umfasst heute weltweit etwa 635 Arten (Stand 2007). Früher zählte
man zu den Lilien mehr als 3500 Arten. In einem Bestimmungsbuch aus dem
Jahre 1985 waren die Küchenzwiebel, der Bärlauch
oder der Schnittlauch noch den Liliengewächsen zugeordnet. Nach neuem
Kenntnisstand bilden diese jedoch eine eigene Familie der Lauchgewächse
innerhalb der Ordnung der Spargelartigen. Die Lauchgewächse sind mit
den Lilien nicht direkt verwandt, genauso wenig wie die Familie der Hyazinthengewächse,
zu denen der Blaustern oder die Traubenhyazinthe
gezählt wird.
Nach der neuen Zuordnung
wachsen in Mitteleuropa nur noch wenige Lilienarten in ihrem natürlichen
Lebensraum. In den höheren Lagen der Schweizer und Österreichischen
Alpen findet man beispielsweise den Röhrigen Gelbstern (Gagea fistulosa):
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Blüte des Röhrigen
Gelbsterns (Gagea fistulosa):
sechs gleichfarbene
Blütenhüllblätter und 6 Staubblätter
Die Liliengewächse
besitzen meistens unterirdische Speicherorgane wie Zwiebeln, Knollen oder
Wurzelstöcke (Rhizome). Die Blüte bildet einen Perigon und ist
aus 6 gleichfarbigen Blütenhüllblättern - davon drei innere
und drei äußere - aufgebaut. Die Hüllblätter sind
meistens groß und auffällig gefärbt. Die sechs Blütenhüllblätter
umgeben sechs Staubblätter und drei zu einem oberständigen Fruchtknoten
verwachsene Fruchtblätter. Die Lilien gehören wie die Orchideen
und die Gräser zu den einkeimblättrigen
Pflanzen (Liliopsida). Daher sind auch die Blätter der Lilien parallelnervig.
Die Laubblätter sitzen meist umfassend an der Basis des Stengels.
Die Lilien sind daran zu erkennen, dass sich
bei der Zwiebel die Schuppen überlagern und nicht durch eine Außenhaut
geschützt ist. Die Vermehrung erfolgt durch Bestäubung, die Frucht
ist eine dreifächrige Springfrucht, in der die Samen scheibenförmig
liegen. Manche Lilien können sich auch vegetativ vermehren.
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Die turbanartigen Blüten
charakterisieren die Pflanze
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Türkenbund-Lilie
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Die bekannteste, wildwachsende
Lilienart stellt aufgrund ihrer Schönheit die Türkenbund-Lilie
(Lilium martagon) dar. Sie erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 1,50
Metern und kommt in kalkreichen, nährstoffreichen Böden bis zu
einer Höhe von 2800 Metern vor. Sie ist in Süddeutschland und
in den Vogesen, aber vor allem auch im Alpenraum verbreitet. Die Pflanze
ist nach ihren großen, turbanartigen Blüten benannt.
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Die Schachblumen lieben
feuchte Wiesen
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Blüte der Schachblume
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Die teilweise vom Aussterben
bedrohte Schachblume (Fritallaria meleagris) kommt nur noch an vereinzelten
Standorten vor. In Deutschland findet man sie noch an der der Sinn, einem
Nebenfluss der Fränkischen Saale oder in Brandenburg. In der Schweiz
ist ein Vorkommen am Doubs im Jura bekannt. Die Schachblume gedeiht auf
feuchten Wiesen mit nährstoffreichem Boden. Ihr Bestand ist durch
die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes stark gefährdet.
Im Frühjahr treibt aus einer kleinen, runden Zwiebel ein 15-20cm langer
runder Stängel, an dem sich die glockenförmigen, nach unten hängenden
Blüten entwickeln. Die purpurrot-weiße Musterung der Blüte
gibt der Pflanze ihren Namen. Am Grund der Blüte findet sich ein Nektar,
der Bienen oder Hummeln als Bestäuber anlockt.
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Die heutige Gartentulpe
ist eine durch Züchtung vermehrte Lilie
Die Tulpe ist eine bekannte
Vertreterin der Lilien. Ursprünglich wuchs sie in den asiatischen
Steppengebieten, nach Europa kam sie im 16. Jahrhundert über die Türkei.
Die heutigen Tulpen in den Gärten sind Züchtungen, die von den
kleinen gelbweiß blühenden Wildtulpen abstammen. Durch Züchtung
gelingt es, auch Tulpen mit sieben Blütenhüllblättern zu
erzeugen. Tulpen können aus Samen, aber auch aus Tochterzwiebeln vegetativ
vermehrt werden. Die Tulpenzwiebeln sind aus fleischigen, schalenförmigen
Blättern aufgebaut.
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Die Feuerlilie ist als
kultivierte Form in den Gärten verbreitet
Aufgrund der prächtigen
Blüte ist die Lilie seit dem Altertum eine kultivierte Blume. Ab dem
Mittelalter symbolisierte die weiße Lilie Reinheit und Unschuld.
Daher wurde sie oft im Zusammenhang mit Mariendarstellungen verwendet.
Wurde die Lilie dem Christus als Weltenrichter zugeordnet, war sie ein
Symbol der Gnade. Da die Lilien noch seltener als die Orchideen vorkommen,
darf man die wild wachsenden und geschützten Lilien keinesfalls pflücken
oder ausgraben. In den Gärten des Alpenraums wächst häufig
eine kultivierte Form der Feuerlilie (siehe oben).
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Die Feuerlilie ist die
prächtigste Pflanze der Alpen
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Südliche Form der
Feuerlilie
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Die farbenprächtige,
wild wachsende Feuerlilie (Lilium bulbiferum) kommt nur noch ganz selten
vor. Sie gehört aufgrund ihrer orangeroten, bis zu 15cm großen
Blüten zu den schönsten Pflanzen
der Alpen. Bei der nördlichen Form (Lilium bulbiferum) wachsen
am Grund der Blätter kleine Brutzwiebeln. Bei der im Engadin wachsenden,
südlichen Form (Lilium bulbiferum subsp. croceum) fehlen diese
Brutzwiebeln (Foto oben rechts).
Quellenverzeichnis