Zur
Biologie der Lilien
Text und
Fotos: Thomas Seilnacht
Hinweis:
Die vergrößerten Grafiken finden Sie auf der CD-ROM
Die Lilien oder die Liliengewächse
(Liliaceae) stellen eine Familie innerhalb der Ordnung der Lilienartigen
(Liliales) dar. Innerhalb dieser Ordnung existieren weitere Familien wie
die der Herbstzeitlosengewächse oder die Familie der Schwertliliengewächse,
zu denen auch der Krokus gehört:
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Ordnung Lilienartige
Familie Liliengewächse
Beispiel: Schachblume
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Ordnung Lilienartige
Familie Schwertliliengewächse
Beispiel: Schwertlilie
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Ordnung Lilienartige
Familie Herbstzeitlosengewächse
Beispiel: Herbstzeitlose
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Die Familie der Liliengewächse umfasst
heute weltweit etwa 635 Arten (Stand 2007). Früher zählte man
zu den Lilien mehr als 3500 Arten. In einem Bestimmungsbuch aus dem Jahre
1985 waren die Küchenzwiebel, der Bärlauch
oder der Schnittlauch noch den Liliengewächsen zugeordnet. Nach neuem
Kenntnisstand bilden diese jedoch eine eigene Familie der Lauchgewächse
innerhalb der Ordnung der Spargelartigen. Die Lauchgewächse sind mit
den Lilien nicht direkt verwandt, genauso wenig wie die Familie der Hyazinthengewächse,
zu denen der Blaustern oder die Traubenhyazinthe
gezählt wird.
Nach der neuen Zuordnung wachsen in Mitteleuropa
nur noch wenige Lilienarten in ihrem natürlichen Lebensraum. In den
höheren Lagen der Schweizer und Österreichischen Alpen findet
man beispielsweise den Röhrigen Gelbstern (Gagea fistulosa):
Blüte des Röhrigen
Gelbsterns (Gagea fistulosa):
sechs gleichfarbene
Blütenhüllblätter und 6 Staubblätter
Die Liliengewächse besitzen meistens
unterirdische Speicherorgane wie Zwiebeln, Knollen oder Wurzelstöcke
(Rhizome). Die Blüte bildet einen Perigon und ist aus 6 gleichfarbigen
Blütenhüllblättern - davon drei innere und drei äußere
- aufgebaut. Die Hüllblätter sind meistens groß und auffällig
gefärbt. Die sechs Blütenhüllblätter umgeben sechs
Staubblätter und drei zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsene
Fruchtblätter. Die Lilien gehören wie die Orchideen
und die Gräser zu den einkeimblättrigen
Pflanzen (Liliopsida). Daher sind auch die Blätter der Lilien parallelnervig.
Die Laubblätter sitzen meist umfassend an der Basis des Stengels.
Die Lilien sind daran zu erkennen, dass sich
bei der Zwiebel die Schuppen überlagern und nicht durch eine Außenhaut
geschützt ist. Die Vermehrung erfolgt durch Bestäubung, die Frucht
ist eine dreifächrige Springfrucht, in der die Samen scheibenförmig
liegen. Manche Lilien können sich auch vegetativ vermehren.
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Die turbanartigen Blüten
charakterisieren die Pflanze
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Türkenbund-Lilie
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Die bekannteste, wildwachsende Lilienart
stellt aufgrund ihrer Schönheit die Türkenbund-Lilie
(Lilium martagon) dar. Sie erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 1,50
Metern und kommt in kalkreichen, nährstoffreichen Böden bis zu
einer Höhe von 2800 Metern vor. Sie ist in Süddeutschland und
in den Vogesen, aber vor allem auch im Alpenraum verbreitet. Die Pflanze
ist nach ihren großen, turbanartigen Blüten benannt.
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Die Schachblumen lieben
feuchte Wiesen
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Blüte der Schachblume
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Die teilweise vom Aussterben bedrohte
Schachblume (Fritallaria meleagris) kommt nur noch an vereinzelten Standorten
vor. In Deutschland findet man sie noch an der der Sinn, einem Nebenfluss
der Fränkischen Saale oder in Brandenburg. In der Schweiz ist ein
Vorkommen am Doubs im Jura bekannt. Die Schachblume gedeiht auf feuchten
Wiesen mit nährstoffreichem Boden. Ihr Bestand ist durch die Zerstörung
ihres natürlichen Lebensraumes stark gefährdet. Im Frühjahr
treibt aus einer kleinen, runden Zwiebel ein 15-20cm langer runder Stängel,
an dem sich die glockenförmigen, nach unten hängenden Blüten
entwickeln. Die purpurrot-weiße Musterung der Blüte gibt der
Pflanze ihren Namen. Am Grund der Blüte findet sich ein Nektar, der
Bienen oder Hummeln als Bestäuber anlockt.
Die heutige Gartentulpe
ist eine durch Züchtung vermehrte Lilie
Die Tulpe ist eine bekannte Vertreterin
der Lilien. Ursprünglich wuchs sie in den asiatischen Steppengebieten,
nach Europa kam sie im 16. Jahrhundert über die Türkei. Die heutigen
Tulpen in den Gärten sind Züchtungen, die von den kleinen gelbweiß
blühenden Wildtulpen abstammen. Durch Züchtung gelingt es, auch
Tulpen mit sieben Blütenhüllblättern zu erzeugen. Tulpen
können aus Samen, aber auch aus Tochterzwiebeln vegetativ vermehrt
werden. Die Tulpenzwiebeln sind aus fleischigen, schalenförmigen Blättern
aufgebaut.
Die Feuerlilie ist
als kultivierte Form in den Gärten verbreitet
Aufgrund der prächtigen Blüte
ist die Lilie seit dem Altertum eine kultivierte Blume. Ab dem Mittelalter
symbolisierte die weiße Lilie Reinheit und Unschuld. Daher wurde
sie oft im Zusammenhang mit Mariendarstellungen verwendet. Wurde die Lilie
dem Christus als Weltenrichter zugeordnet, war sie ein Symbol der Gnade.
Da die Lilien noch seltener als die Orchideen vorkommen, darf man die wild
wachsenden und geschützten Lilien keinesfalls pflücken oder ausgraben.
In den Gärten des Alpenraums wächst häufig eine kultivierte
Form der Feuerlilie (siehe oben).
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Die Feuerlilie ist die
prächtigste Pflanze der Alpen
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Südliche Form der
Feuerlilie
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Die farbenprächtige, wild wachsende
Feuerlilie (Lilium bulbiferum) kommt nur noch ganz selten vor. Sie gehört
aufgrund ihrer orangeroten, bis zu 15cm großen Blüten zu den
schönsten Pflanzen der Alpen. Bei
der nördlichen Form (Lilium bulbiferum) wachsen am Grund der Blätter
kleine Brutzwiebeln. Bei der im Engadin wachsenden, südlichen Form
(Lilium bulbiferum subsp. croceum) fehlen diese Brutzwiebeln (Foto
oben rechts).