Greife und Falken im Vergleich

Weltweit sind die Greifvögel und Falken mit etwa 290 Arten vertreten, in Europa brüten 38 Arten. Nach der neuen Systematik bilden die Greifvögel und die Falken jeweils eine eigene Ordnung. Sie sind nicht näher miteinander verwandt. Trotzdem sollen hier die beiden Ordnungen miteinander verglichen werden, da sie die Lebensräume teilen.


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Kopfskelett des Wanderfalken


Die Falken besitzen besondere Körpermerkmale. So haben sie beispielsweise ein rundes Nasenloch, während das Nasenloch der Greifvögel oval oder schlitzförmig ist. Falken bauen kein Nest, sondern benutzen alte Nester oder Felsnischen, auf die sie ihre Eier legen. Der Schnabel des Falken hat eine zahnartige, nach unten gebogene Ausbuchtung. Der Falke tötet daher seine Beute mit einem Nackenbiss. Beim Jagen kann der Wanderfalke bis zu 290 Stundenkilometer schnell werden, wenn er im Stoßflug auf eine Beute herabstößt.


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Skelett des Wanderfalken mit spitzen Krallen


Die Greifvögel werden in die Familien der Fischadler und der Habichtverwandten unterteilt. Sie töten ihre Beute durch einen äußerst kräftigen Griff mit den spitzen Krallen ihrer Fänge. Die Schnäbel sind relativ groß und haben eine hakenförmig nach unten gezogenen Spitze. Dies ermöglicht das Herausschneiden von Fleisch aus der Beute. Bei den Geiern sind die Krallen eher stumpf, sie haben dafür äußerst scharfe Schnabelkanten. Damit können sie Fleisch herausschneiden, Sehnen durchtrennen und vor allem die Haut von Aas aufreißen. Der Gänsegeier hat einen sehr langen Hals, damit er in das Aas weit hineindringen kann.


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Die großen Reviere stellen ein Territorium dar, das gegen Artgenossen verteidigt wird. Die Greifvögel zeichnen sich vor allem durch ihre Jagdfähigkeiten aus. Sie besitzen ein hervorragendes Sehvermögen und manche Arten wie die Weihen auch ein sehr gutes Hörvermögen. Geier und Adler beherrschen aufgrund der großen Schwingen den Segelflug unter Ausnutzung von thermischen Aufwinden. Die größte Flügelspannweite aller Greifvögel besitzt der Andenkondor mit bis zu 3,20 Metern (vgl. >Tierstatistik). Beim Fischadler sind die Flügel eher spitz und schmal. Dadurch kann er gezielt einen Fisch im Wasser erbeuten. Ansitzjäger wie der Habicht oder der Mäusebussard haben eher kurze und breite Flügel, damit sie sehr schnell beschleunigen können. Sie warten beim Ansitzen auf einem Ast oder in einem Versteck auf ihre Beute. Jede Greifvogelart ist mit besonderen Fähigkeiten für ihren speziellen Lebensraum ausgestattet.


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Mäusebussard beim Ansitzen Fischadler im Flug

 

Die großen Greifvögel erreichen ihre Geschlechtsreife erst nach mehreren Jahren. Bei der Balz äußern die Paare Laute. Oft finden eindrucksvolle Flugspiele wie beim Turmfalken und dem Seeadler statt. Sie bauen einen Horst auf Bäumen, in Felswänden, auf Strommasten oder am Boden. Das große Nest besteht aus Zweigen und Ästen, der Durchmesser kann bis zu fünf Meter betragen. Oft brütet das Weibchen die Eier aus und zieht die Jungen groß, während das Männchen Futter herbeibringt. Die jungen Greifvögel sind Nesthocker. Sie brauchen relativ lange bis sie flugfähig sind. Das Dunenkleid ist anfangs weiß, es besteht aus ganz feinen, weichen Federn. Wenn die Jungen größer sind, stehen sie oft am Nestrand und bewegen ihre Schwingen. Während dieser Zeit betteln sie bei ihren Eltern nach Futter. Dies nutzen die Eltern und locken die jungen Vögel zu den ersten Flugversuchen aus dem Nest heraus, in dem sie mit Beute locken und sich diese absichtlich abjagen lassen. Geier und Adler legen meist nur ein einziges Ei, die kleineren Arten ziehen auch mehrere Jungvögel groß.


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Fischadlerhorst in Federow (Müritz-Nationalpark)

 

Falknerei

Falknereien züchten Greifvögel und Falken. Sie bringen ihnen das Jagen bei. Vor allem im Mittelalter war die Beizjagd - beispielsweise auf Rebhühner oder Fasane - sehr beliebt. Das Federspiel ist ein Trainingsinstrument des Falkners. Es handelt sich um eine Vogelattrappe, die kreisförmig an einer langen Schnur über dem Kopf des Falkners geschwungen wird. Dadurch lernt der Falke zurückzukommen. Als Belohnung erhält er ein Stück Fleisch. Gleichzeitig wird das Jagen trainiert. Einigen Falknereien oder Greifvogelwarten ist es zu verdanken, dass bestimmte Vogelarten durch Auswilderung heute wieder in Mitteleuropa brüten. Allerdings haben Auswüchse auch dazu geführt, dass Eier von wild lebenden Falken für die Falknerei gestohlen oder gehandelt wurden.

Copyright: Thomas Seilnacht