Lexikon
der Greifvögel und Falken
Biologie
der Greifvögel und Falken
von Thomas Seilnacht
Weltweit sind die Greifvögel und
Falken mit etwa 290 Arten vertreten, in Europa brüten 38 Arten. Nach
der neuen Systematik bilden die Greifvögel und die Falken jeweils
eine eigene Ordnung. Die Greifvögel werden in die Familien der Fischadler
und der Habichtverwandten unterteilt.
Wanderfalke: Ausbuchtung
am Schnabel und rundes Nasenloch
Die Falken
besitzen besondere Körpermerkmale. So haben sie beispielsweise ein
rundes Nasenloch, während das Nasenloch der Greifvögel oval oder
schlitzförmig ist. Falken bauen kein Nest, sondern benutzen alte Nester
oder Felsnischen, auf die sie ihre Eier legen. Der
Schnabel des Falken hat eine zahnartige, nach unten gebogene Ausbuchtung.
Der Falke tötet daher seine Beute mit einem Nackenbiss. Beim Jagen
kann der Wanderfalke bis zu 290 Stundenkilometer
schnell werden, wenn er im Stoßflug
auf eine Beute herabstößt.
Die Greifvögel
töten ihre Beute durch einen äußerst kräftigen Griff
mit den spitzen Krallen ihrer Fänge.
Die Schnäbel sind relativ groß und haben eine hakenförmig
nach unten gezogenen Spitze. Dies ermöglicht das Herausschneiden von
Fleisch aus der Beute. Bei den Geiern sind die Krallen eher stumpf, sie
haben dafür äußerst scharfe Schnabelkanten. Damit können
sie Fleisch herausschneiden, Sehnen durchtrennen und vor allem die Haut
von Aas aufreißen. Der Gänsegeier
hat einen sehr langen Hals, damit er in das Aas weit hineindringen kann.
Film
starten: Gänsegeier beim Fressen
Die großen Reviere
stellen ein Territorium dar, das gegen Artgenossen verteidigt wird. Die
Greifvögel zeichnen sich vor allem durch ihre Jagdfähigkeiten
aus. Sie besitzen ein hervorragendes Sehvermögen und manche Arten
wie die Weihen auch ein sehr gutes Hörvermögen. Geier und Adler
beherrschen aufgrund der großen Schwingen
den Segelflug unter Ausnutzung von thermischen Aufwinden. Die größte
Flügelspannweite aller Greifvögel besitzt der Andenkondor mit
bis zu 3,20 Metern (vgl. >Tierstatistik).
Beim Fischadler sind die Flügel eher spitz
und schmal. Dadurch kann er gezielt einen Fisch im Wasser erbeuten. Ansitzjäger
wie der Habicht oder der Mäusebussard
haben eher kurze und breite Flügel, damit sie sehr schnell beschleunigen
können. Sie warten beim Ansitzen
auf einem Ast oder in einem Versteck auf ihre Beute. Jede Greifvogelart
ist mit besonderen Fähigkeiten für ihren speziellen Lebensraum
ausgestattet.
Die großen Greifvögel erreichen
ihre Geschlechtsreife erst nach mehreren Jahren. Bei der Balz
äußern die Paare Laute. Oft finden eindrucksvolle Flugspiele
wie beim Turmfalken und dem Seeadler statt. Sie bauen einen Horst
auf Bäumen, in Felswänden, auf Strommasten oder am Boden. Das
große Nest besteht aus Zweigen und Ästen, der Durchmesser kann
bis zu 5 Meter betragen. Oft brütet das Weibchen die Eier aus und
zieht die Jungen groß, während das Männchen Futter herbeibringt.
Die jungen Greifvögel sind Nesthocker. Sie brauchen relativ lange
bis sie flugfähig sind. Das Dunenkleid ist anfangs weiß, es
besteht aus ganz feinen, weichen Federn. Wenn die Jungen größer
sind, stehen sie oft am Nestrand und bewegen ihre Schwingen. Während
dieser Zeit betteln sie bei ihren Eltern nach Futter. Dies nutzen die Eltern
und locken die jungen Vögel zu den ersten Flugversuchen aus dem Nest
heraus, in dem sie mit Beute locken und sich diese absichtlich abjagen
lassen. Geier und Adler legen meist nur ein einziges Ei, die kleineren
Arten ziehen auch mehrere Jungvögel groß.
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Fischadlerhorst in Federow
(Müritz-Nationalpark)
Falknerei
Falknereien züchten Greifvögel
und Falken. Sie bringen ihnen das Jagen bei. Vor allem im Mittelalter war
die Beizjagd - beispielsweise auf Rebhühner
oder Fasane - sehr beliebt. Das Federspiel ist ein Trainingsinstrument
des Falkners. Es handelt sich um eine Vogelattrappe, die kreisförmig
an einer langen Schnur über dem Kopf des Falkners geschwungen wird.
Dadurch lernt der Falke zurückzukommen. Als Belohnung erhält
er ein Stück Fleisch. Gleichzeitig wird das Jagen trainiert. Einigen
Falknereien oder Greifvogelwarten ist es zu verdanken, dass bestimmte Vogelarten
durch Auswilderung heute wieder in Mitteleuropa brüten. Allerdings
haben Auswüchse auch dazu geführt, dass Eier von wild lebenden
Falken für die Falknerei gestohlen oder gehandelt wurden.