Geht man im Frühjahr in den Auwäldern
an einem See im westlichen Teil Europas spazieren und hört man einen
Vogel, der in einer großen Vielfalt von Tönen und Lauten pfeift,
schmettert, trillert oder flötet, dann handelt es sich mit großer
Wahrscheinlichkeit um eine Nachtigall. Das Männchen beherrscht bis
zu 300 verschiedene Strophenarten. Der Gesang ist außergewöhnlich
dynamisch, die Lautstärke kann an- und abschwillen. Nachtigallen singen
auch nachts. Die Zeichnung des rotbraunen Vogels ist eher unscheinbar.
Die Nachtigall ähnelt äußerlich dem Sprosser sehr und selbst
in den Gesangskünsten steht der Sprosser der Nachtigall kaum in etwas
nach. Sprosser leben hauptsächlich in Osteuropa, während man
in den deutschsprachigen Ländern fast immer auf eine Nachtigall trifft.
Das Weibchen baut am Boden in dichtem
Gestrüpp ein Nest aus Laub, das innen mit Moos und Halmen ausgekleidet
ist. Eine Brut dauert etwa 14 Tage, nach weiteren 11-12 Tagen sind die
Jungen schon großgezogen. Die Nahrung der Nachtigallen besteht aus
Insekten, Larven, Würmern, Raupen und Spinnen, im Spätsommer
auch aus Beeren.
Nachtigallen sind Zugvögel, sie überwintern
in Afrika und kommen im April nach Europa. Die Gesangsperiode ist relativ
kurz und endet schon Anfang Juni. Ab Juli ziehen sie wieder Richtung Süden,
und im Oktober haben alle Nachtigallen ihr Winterquartier wieder erreicht. |