Schildkröten
8 cm bis 2,5 m, 150 g bis über 900 kg
14 lebende Familien
Klasse, Ordnung (altes System)
Reptilien, Schildkröten.

Englisch: Turtles.
Französisch: Tortues.

Lebensraum
Je nach Art Meere, Flüsse, Seen, Sümpfe, Halbwüsten und Grasländer; Meeresschildkröten im offenen Ozean und an Küsten.

Nahrung
Pflanzen, Algen, Früchte, Insekten, Weichtiere, Fische; viele Arten sind Allesfresser.
BuntspechtLupeGalapagos-Riesenschildkröte.
WendehalsLupeSchildkrötenskelett.
Merkmale
Fortpflanzung
Evolution
Sumpfschildkröte
Landschildkröte
Medien
Beschreibungen
Merkmale

Bei den Schildkröten ist der Körper fast vollständig von einem Rückenpanzer (Carapax) und einem Bauchpanzer (Plastron) umschlossen. Der Panzer ist mt dem Skelett verwachsen, er besteht aus einer Knochen- und einer Hornschicht. Die Knochen stellen einen Teil des Skeletts dar. Sie sind von Hornschilden oder einer lederartigen Haut überdeckt. Die mittleren Platten des Rückenpanzers (Wirbelschilde) hängen mit den Dornfortsätzen der Wirbelsäule zusammen. Die seitlich anschließenden Rippenschilde sind mit den Rippen verwachsen. Die auf der Knochenschicht liegende Hornschilde gehören zur Oberhaut und sind mit Nerven und Blutgefäßen durchsetzt. Der Schädel ist eher klein, Schildkröten besitzen keine Zähne, in den Kieferknochen befinden sich aber scharfe Hornschneiden, aufgrund derer die Schildkröten auch kräftig zubeißen können. Die Extremitäten sind je nach Lebensraum unterschiedlich angepasst: Landschildkröten haben kräftige, säulenartige Beine, während Meeresschildkröten flossenartige Gliedmaßen besitzen.


Fortpflanzung

Alle Schildkrötenarten vermehren sich durch Eier. In den Gelegen findet man in der Regel bis zu zwanzig Eier, bei manchen Arten sind es bis zu 1000 Eier. Die Eier werden in den Boden eingegraben. Das Weibchen gräbt eine Mulde und hält dann seinen Schwanz über die Öffnung, fängt die austretenden Eier mit dem Hinterbein auf und lässt sie behutsam in die Mulde gleiten. Danach bedeckt es das Gelege wieder mit Erde und verlässt den Eiablageplatz. Das Ausbrüten der Eier besorgt die Bodenwärme. Nach dem Schlüpfen sind die jungen Schildkröten auf sich alleine gestellt. Danach müssen sie so schnell wie möglich das Wasser oder das Meer erreichen. Die Geschlechtsbestimmung erfolgt bei einigen Arten temperaturabhängig: Höhere Bruttemperaturen begünstigen Weibchen, niedrigere Temperaturen Männchen.


Evolutionsgeschichte

Schildkröten gehören wie die Krokodile zu den ältesten heute noch lebenden Wirbeltieren. Erste Schildkröten traten bereits vor über 220 Millionen Jahren im Erdmittelalter (Trias) auf. Ihr Körperbau mit dem Panzer und die speziellen Lebensweisen haben sich seitdem kaum verändert. So konnten sie verschiedene Massenaussterben, darunter auch das Ende der Dinosaurier, überleben. Im Vergleich zu anderen Reptilien gelten Schildkröten als „lebende Fossilien“. Schildkröten besiedeln eine Vielzahl von Lebensräumen – von tropischen Ozeanen über Wüsten bis hin zu gemäßigten Regionen. Sie sind meist Pflanzenfresser, einige Arten sind jedoch Fleischfresser oder Allesfresser. Die langsame Lebensweise der wechselwarmen Tiere, der Schutz durch den Panzer und die schuppige Haut, die auch vor Wasserverlust schützt, sowie die Fähigkeit, lange ohne Nahrung und Wasser auszukommen, machen sie sehr anpassungsfähig.

Die größte lebende Art ist die Lederschildkröte Dermochelys coriacea Vandelli, die bis zu zweieinhalb Meter lang wird und 900 Kilogramm Gewicht erreichen kann. Einige Arten der Galapagos-Riesenschildkröten können über 150 Jahre alt werden: Charles Darwins Weibchen „Harriet“ starb zum Beispiel erst im Jahr 2006 im Alter von 176 Jahren.


Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis L.

Die Europäische Sumpfschildkröte erreicht eine Länge von bis zu 25 Zentimeter. Sie lebt äußerst scheu in den ruhigen, klaren Seen mit dichtem Uferbewuchs. Ihr Lebensraum umfasst fast ganz Mittel- und Südeuropa bis nach Asien hinein. Sie ernährt sich von Insektenlarven, Kaulquappen und gelegentlich auch von kleinen Fischen. Nach der Paarung im Juni legen die Weibchen etwa 10 Eier am Land in Ufernähe ab. Die Sumpfschildkröte überwintert von Oktober bis Mitte April im Bodenschlamm der Gewässer.


Griechische Landschildkröte Testudo hermanni Gmelin

Die in Südeuropa lebende Griechische Landschildkröte wird bis zu 20 Zentimeter lang. Sie liebt trockenes und mit Sträuchern bewachsenes Gelände und ernährt sich von Blätter und Obst, aber auch von Regenwürmern und Schnecken. Nach der Paarung im Juni legt das Weibchen bis zu zwölf weiße Eier ab. Sie sehen ähnlich aus wie Hühnereier, sie sind aber mit einer Länge von ungefähr dreieinhalb Zentimeter etwas kleiner und ihre Schalen sind wesentlich dicker. Im Herbst schlüpfen daraus vier Zentimeter große Jungtiere. Im Winter, wenn es kalt wird, gräbt sich die Schildkröte ein und macht einen Winterschlaf.


Fotos und Grafiken

Bild vergrößern!ZoomEuropäische Sumpfschildkröte auf einem Baumstamm.
Bild vergrößern!ZoomEuropäische Sumpfschildkröte: Schwarz-Weiß-Zeichnung (gif).
Bild vergrößern!ZoomGriechische Landschildkröte: 60 Jahre altes Weibchen.
Bild vergrößern!ZoomEier des links abgebildeten Weibchens.

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