Geschichtliches: Schon die alten Griechen
und Römer gebrauchten den Waid zum Färben, ebenso wie die Gallier
und die Germanen. Im Mittelalter war der Waid die bedeutendste Färbepflanze.
Im 13. Jahrhundert entstanden in Thüringen, z.B. in Gotha, Erfurt,
Langensalza, Tennstedt und Arnstadt, bedeutende Färberzentren für
den Waidanbau. Die besten Sorten stammten allerdings aus der Provence,
dem Longuedoc und der Normandie. Im 17. Jahrhundert wurde der Färberwaid
zugunsten des stärker färbenden, indischen Indigos
verdrängt.
Farbstoffgewinnung: Im Juni werden die Blätter
eingesammelt und danach sofort abgewaschen, möglichst schnell getrocknet
und in Nassmühlen zu einem Brei zermahlen. Das Produkt wird auf einen
etwa 1 Meter hohen Haufen geschichtet und beginnt darin zu gären.
Nach zwei Wochen werden die Haufen vermischt und zu kleinen, runden Ballen,
sogenannten "Waidkugeln" verarbeitet.
Färben: Die Waidkugeln wurden früher
von den Angestellten der Färber, den Waidknechten, mit Urin angefeuchtet
und einer erneuten Gärung ausgesetzt.Nach einer Lagerzeit
von etwa zwei Jahren kam der vergärte Waid in die Färbehäuser.
Dort wurde er nochmals mit Urin und Pottasche bei 60°C verrührt.
Erst nach 3 Tagen entstand eine Brühe, die Küpe, welche zum Färben
geeignet war. Die Textilien wurden für eine Stunde in die Küpe
getaucht. Beim Herausziehen der gefärbten Stoffe waren diese zunächst
gelb eingefärbt. Erst an der Luft entwickelte sich auf den Textilien
durch eine Oxidation die blaue Farbe.