Bedeutung in der Evolution, Zuordnungen
Krokodile zählen zur Gruppe der Archosaurier, zu denen auch die Vögel, sowie die ausgestorbenen Dinosaurier und Flugsaurier gehören. Krokodile leben seit über 200 Millionen Jahren auf der Erde und sie haben ihre Form nur unwesentlich verändert. Dies deutet auf eine extrem hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Umweltbedingungen hin. Im Gegensatz zu den meisten Dinosauriern überlebten sie das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit. Sie besitzen Merkmale, die sie sowohl im Wasser und auch auf dem Land überlebensfähig machen. Heute leben 26 Arten aus der Ordnung der Krokodile. Sie werden in drei Familien unterteilt: Die Alligatoren unterscheiden sich unter anderem von den Echten Krokodilen durch die nach innen gerichteten Zähne des Unterkiefers. Beim Mississippi-Alligator sieht man daher bei geschlossenem Maul nur die Zahnreihe des Oberkiefers. Dieser Alligator lebt im Süden und Südwesten der USA und wird bis zu sechs Meter lang. Zu den Alligatoren zählen auch die in Südamerika lebenden Kaimane. Der in Nepal und Nordindien lebende Gangesgavial ist der einzige lebende Vertreter aus der Familie der Gaviale.
Das größte heute lebende Krokodil ist das in Südostasien, Ostindien und Nordaustralien lebende Leistenkrokodil, das bis zu sechs Meter lang wird und 1000 Kilogramm Gewicht erreicht. Seinen Namen hat es aufgrund der beiden flachen Knochenwülste erhalten, die von den Augen bis zur Spitze der Schnauze reichen. Das größte jemals lebende Krokodil war Deinosuchus („Schrecklicher Krokodilgott“), das in der Kreidezeit vor 70 bis 83 Millionen Jahren lebte und mehr als zehn Meter lang wurde. Das kleinste heute lebende Krokodil ist das in Westafrika lebende Stumpfkrokodil mit eineinhalb bis zwei Metern Länge. Das in Australien lebende Australien-Krokodil mit seiner spitzen Schnauze gehört mit bis zu drei Metern Länge zu den mittelgroßen Arten. Bei einigen Arten sind die Männchen größer als die Weibchen.
Anatomie des Skeletts, Fortbewegung
Das Skelett der Krokodile ist kräftig gebaut. Der Rücken ist mit dicken, verknöcherten Hornschildern bedeckt. Die knöchernen bis knorpeligen Bauchrippen (Gastralia) sind nicht an der Wirbelsäule befestigt. Sie sorgen für zusätzlichen Schutz der Organe, sie stabilisieren die Fortbewegung und sie unterstützen die Atmung. Der massige Schädel ist mit einem verlängerten Kiefer und spitzen Zähnen ausgestattet, die nachwachsen können. Unter jedem Zahn steht im Kiefer schon ein Ersatzzahn bereit. Ein Krokodil kann in seinem Leben bis zu 2000 Zähne nachbilden! Diese Fähigkeit ist für das Krokodil von großer Bedeutung, die Zähne dienen ja zum Ergreifen und Festhalten der Beute. Die Extremitäten sind kurz und kräftig, sie ermöglichen das Kriechen und auch das Laufen an Land. Ein Krokodil hat an den Extremitäten vorne fünf Finger und hinten vier Zehen, zwischen den Zehen sind Schwimmhäute vorhanden. Nur die drei inneren Finger und die drei inneren Zehen sind mit Krallen besetzt.
Das Leistenkrokodil und auch das in Afrika und Madagaskar lebende Nilkrokodil können sehr schnell im sogenannten „high walk“ laufen. Sie erreichen dabei kurzzeitig bis zu 16 Stundenkilometer. Der muskulöse Schwanz dient als Antriebs- und Steuerungsorgan im Wasser. Während man sich in der Regel durch schnelles Wegrennen vor einem angreifenden Krokodil an Land noch retten kann, hat ein Mensch im Wasser keine Chance mehr: Beim Angriff auf eine Beute erreichen manche Krokodile beim Schwimmen kurzzeitig bis zu 20 Stundenkilometer.
Atmungs- und Kreislaufsystem
An der Schnauzspitze liegen zwei durch Hautklappen verschließbare Nasenlöcher. Von dort führt ein langer Gang zu den eigentlichen, innerlich gelegenen Nasenöffnungen, die durch ein Gaumensegel von der Mundöffnung abgeschlossen werden können. Daher können Krokodile mit offenem Maul unter Wasser auf der Lauer liegen und trotzdem atmen. Das Herz der Krokodile ist in vier Kammern getrennt und stellt eine Fortentwicklung für ein effizienteres Kreislaufsystems im Vergleich zu den anderen Reptilien dar. Je nach Aktivität und Tauchverhalten kann der Blutfluss über eine Gefäßverbindung (Foramen Panizzae) zwischen linker und rechter Aorta umgeleitet werden. Krokodile sind keine Warmblüter, sie sind wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab, was erklärt, warum sie gerne sonnenbaden. Die Haut ist mit dicken, verknöcherten Schuppen (Osteodermen) bedeckt, die Schutz und Stabilität verleihen.
Jagdverhalten
An den Kiefern sitzen Druckrezeptoren, wodurch kleinste Bewegungen im Wasser wahrgenommen werden. Die hochentwickelten Lungen ermöglichen lange Tauchgänge. Als Lauerjäger liegen die Krokodile oft regungslos im Wasser, so dass niemand ahnt, dass hier ein Krokodil lauert. Wenn Beute in Reichweite kommt, schlagen sie blitzschnell zu. Das kräftige Gebiss dient zum Festhalten und nicht zum Kauen. Durch Drehbewegungen in der sogenannten „Todesrolle“ werden auch größere Beutetiere getötet und zerrissen, die Beutestücke werden im Ganzen verschluckt. Das effiziente Verdauungssystem kann auch Knochen und Horn zersetzen.
Fortpflanzung
Abgesehen von einer einzigen Art, dem Leistenkrokodil, leben die Krokodile im Süßwasser. Wie die Schildkröten legen sie ihre Eier an Land ab. Dabei graben sie mit ihren Hinterbeinen eine bis zu einen halben Meter tiefe Mulde am Ufer, die nach der Eiablage wieder zugeschüttet wird. Die Temperatur während der Brutzeit bestimmt das Geschlecht der Jungtiere. Die Nester werden von der Mutter bewacht. Kurz bevor die Jungen schlüpfen, stoßen diese quäkende Lockrufe aus. Die Mütter hören das und helfen den Jungen beim Schlüpfen. Wie bei den Schildkröten besitzen diese einen hornigen Zahn auf der Schnauzspitze, mit dem sie die harten Eierschalen von innen durchstoßen können. Das Weibchen wühlt das Gelege frei und nimmt die schlüpfenden Jungtiere einzeln in das Maul auf, bevor sie alle zusammen in das Wasser trägt. Krokodile können ein Alter von über 70 Jahren erreichen, einzelne Tiere erreichen sogar 100 Jahre oder mehr.
Fotos und Grafiken











