Mikroskopieren
Hinweis: Sämtliche hier
vorgestellten Arbeitsaufträge finden Sie im >Arbeitsheft
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Das Mikroskop ermöglicht zusammen
mit der Lupe Einblicke in die Mikrowelt. Die Schülerinnen und Schüler
erleben die Systeme der Natur aus einer anderen Perspektive. Beim Arbeiten
mit einem Mikroskop lassen sich verschiedene fachspezifische Arbeitsweisen
wie das Betrachten, das Beobachten
und das Untersuchen erlernen. Das Anfertigen von
Präparaten, das Färben von Objekten und das Anlegen von Kulturen
stellen spezielle biologische Arbeitsweisen in Bezug auf das Mikroskop
dar. Der sorgsame Umgang mit dem Mikroskop in Gruppenarbeit betont soziale
Kompetenzen.
1. Unterrichtseinheit:
Einführung in das Mikroskopieren
Ausgangspunkt ist ein mikroskopisches Präparat
mit einem Bienenflügel. Die Schülerinnen und Schüler sollen
das Präparat zunächst gegen das Licht mit Hilfe einer Lupe betrachten.
Es zeigt sich dabei, dass die Dornen des Flügels weder mit bloßem
Auge noch mit der Lupe zu sehen sind. Bevor die Schüler das Objekt
im Mikroskop betrachten, erfolgt eine grundlegende Einführung in das
Arbeiten mit einem Mikroskop. Zunächst werden die wichtigsten Grundregeln
besprochen und erläutert:
-
Trage das Mikroskop immer am Tragbügel,
nie an den beweglichen Teilen!
-
Arbeite genau nach den Anweisungen!
-
Die Linsen (Okular und Objektive) dürfen
niemals angefasst werden!
-
Arbeite sorgsam mit viel Feingefühl und
wende bei der Mechanik niemals Gewalt an!
-
Sollen Teile (auf Anweisung) abmontiert werden,
müssen sie sicher auf den Tisch gelegt werden, so dass sie keinesfalls
vom Tisch rollen oder fallen!
-
Zu Beginn wird immer das kleinste Objektiv
eingestellt (in der Regel das 4er-Objektiv). Die Blende ist anfangs ganz
geöffnet.
-
Beim Drehen der Objektiv-Drehscheibe zum nächst
größeren Objektiv ist darauf zu achten, dass das Objektiv nicht
den Objekttisch oder das Objekt berührt, da das Glas sonst zerkratzen
kann.
Die Einführung in das Arbeiten mit dem
Lichtmikroskop erfolgt, in dem die Lehrperson die durchzuführenden
Handlungen vorführt und die Schüler es nachmachen.
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Tubus und Okular
Das Okular wird aus dem Tubus gezogen
und betrachtet. Die Schüler erkennen ein Linsensystem, das aus mindestens
zwei Linsen besteht. Dreht man das Okular um, lässt es sich als Lupe
verwenden, beispielsweise zum Betrachten der eigenen Fingerabdrücke.
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Gläser der Linsen keinesfalls
berührt werden dürfen. Nachdem das Okular so auf den Tisch gestellt
wurde, dass es nicht wegrollen kann, nimmt man durch Lösen der kleinen
Fixierschraube den Tubus ab. Mit Hilfe des Tubuses können die Schülerinnen
und Schüler ihren Nachbarn um die Ecke betrachten. Ein Prisma im Tubus
lenkt die Lichtstrahlen um. Bei dem Mikroskop kann man nun durch das Objektiv
auf den Objekttisch schauen. Danach wird das Mikroskop wieder sorgfältig
zusammengebaut.
Drehscheibe und Objektive
Die Drehscheibe ermöglicht den Einsatz
von verschiedenen Objektiven. Daraus resultieren verschiedene Vergrößerungen.
Die Gesamtvergrößerung des Mikroskops ergibt sich, in dem die
Vergrößerung des Okulars mit der Vergrößerung des
Objektivs multipliziert wird. So erreicht man mit einem 10er-Okular bei
einem durchschnittlichen Schülermikroskop (bis 40er-Objektiv) maximal
eine 400fache Vergrößerung:
|
Weitfeld-Okular
|
Objektiv
|
Gesamtvergrößerung
|
|
10x
|
4x
|
40x
|
|
10x
|
10x
|
100x
|
|
10x
|
40x
|
400x
|
|
10x
|
100x Ölimmersion *)
|
1000x
|
*) Bei einem 100er-Objektiv
wird ein Tropfen Immersionsöl auf das Deckglas getropft, bevor man
das Objektiv einschwenkt. Zum Wegwischen des Öls wird nach der Arbeit
ein weiches Tuch verwendet. Aufgrund des geringen Abstandes zum Objekt
und der Empfindlichkeit der Linsen, besteht hier bei unsachgemäßer
Bedienung die Gefahr des Zerkratzens der Linse. Daher eignet sich dieses
Objektiv nur für Schüler der Sekundarstufe II.
Die Schüler berechnen auf ihrem Arbeitsblatt
die möglichen Vergrößerungen ihres Mikroskops und ergänzen
die fehlenden Begriffe.
Objekttisch, Grob- und Feintrieb, Gesichtsfeld
Zur Vereinfachung empfiehlt sich zunächst
der Einsatz von Mikroskopen ohne Kreuztische und ohne Objektträgerklemmen.
Auf den Objekttisch wird ein transparentes Lineal oder ein Geodreieck gelegt,
so dass man durch das Okular die Millimeterskala des Lineals betrachten
kann. Im Handel sind auch Objektträger mit einer 0,1mm-Skala erhältlich.
Die Scharfeinstellung auf die Skala erfolgt mit Hilfe des Grob- und Feintriebs.
Die Aufgabe lautet nun: Wieviele Millimeter breit ist das Gesichtsfeld
bei 40facher Vergrößerung? Bei einem guten Weitfeld-Okular dürfte
das Gesichtsfeld etwa 4,5mm betragen. Nun wählt man die nächste
Vergrößerung und bestimmt erneut das Gesichtsfeld. Der Versuch
mit dem Lineal wird aufgrund des zu geringen Abstandes nicht mehr mit dem
40er-Objektiv durchgeführt.
Als Ergebnis lässt sich festhalten,
dass das Gesichtsfeld mit zunehmender Vergrößerung abnimmt.
Es zeigt sich dabei, dass man am besten immer mit der kleinsten Vergrößerung
beginnt, da man dann den größten Überblick hat.
Lampe und Blende
An diesem Punkt brennen die Schülerinnen
und Schüler sicherlich schon darauf, den Bienenflügel im Mikroskop
zu betrachten. Zunächst stellen sie das Mikroskop wieder in den "Ausgangszustand"
(kleinstes Objektiv, Blende ganz geöffnet) und schalten dann die Lampe
ein. Der Objektträger mit dem Präparat wird dann auf den Objekttisch
gelegt. Mit Hilfe von Grob- und Feintrieb stellen sie ein scharfes Bild
ein. Durch das Zuziehen der Blende wird das Bild etwas abgedunkelt und
man erhält einen besseren Kontrast. Die Schüler sollen zunächst
das bestmögliche Bild, mit dem bestmöglichen Kontrast einstellen.
Durch Verschieben des Objektträgers suchen sie ein Stelle, zum Beispiel
am Flügelrand, an der die Dornen des Flügels besonders gut zu
sehen sind. Erst dann erfolgt die Wahl der nächsten Vergrößerung.
Hierbei muss die Blende wieder etwas geöffnet werden.
Dornen
auf einem Bienenflügel
Festhalten des
Bildes und Anfertigen einer Zeichnung
Zum mikroskopischen Arbeiten gehört
immer das Anfertigen einer Zeichnung. Diese wird mit einem spitzen Bleistift
angefertigt und sollte groß und arbeitsblattfüllend sein. Genaues
Betrachten ist die Grundlage für eine exakte
Zeichnung. Daher erhalten die Schüler genügend Zeit für
ihre Zeichnung, die sie im Arbeitsheft anfertigen. Sie äußern
auch Vermutungen, welche Funktion die Dornen auf den Flügeln besitzen
(>äußerer Bau der
Honigbiene). Nach Beendigung der Aufgaben im Arbeitsheft, räumen
sie auf und stellen das Mikroskop wieder in den Ausgangszustand.
Download einer Kopiervorlage
für mikroskopische Zeichnungen
2. Unterrichtseinheit:
Schnitte anfertigen und Färben am Beispiel pflanzlicher und tierischer
Zellen
Epithelzellen der Mundschleimhaut und
Bakterien der Mundhöhle
Da beim Lichtmikroskop das Objekt mit von
unten kommendem Licht durchschienen wird, benötigt man möglichst
dünne Schnitte. Als Werkzeug eignen sich Rasierklingen oder Skalpelle.
Letztere eignen sich für Schüler, da hier die Verletzungsgefahr
nicht so groß ist. Pro Arbeitsgruppe empfiehlt sich die Anschaffung
eines mikroskopischen Bestecks mit folgendem Inhalt: Skalpell, Pinzette,
Pipette, Pinsel, spitze Schere, Päpariernadel- oder Lanzettennadel.
Am besten nimmt man ein Kästchen, in dem das weitere Zubehör
vorhanden ist, z.B. Objektträger, Deckgläschen, Papiertaschentücher,
destilliertes Wasser, Methylenblaulösung, etc.. Selbstverständlich
müssen auch diese Geräte sorgfältig behandelt und verantwortungsbewusst
eingesetzt werden. Färbungen führen zu einer wesentlichen Verbesserung
des Kontrasts. Außerdem lassen sich bestimmte Teile, z.B. die Zellkerne
von Zellen sichtbar machen. Das Frischpräparat ist - wenn möglich
- auf jeden Fall dem Dauerpräparat vorzuziehen, da letztere zu Entfärbungen
und Schrumpfungen neigen. Präparate mit menschlichem Blut wie das
Herstellen von Blutausstrichen sind im Unterricht nicht mehr erlaubt.
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Ein einfaches und schönes
Frischpräparat lässt sich aus der Mundschleimhaut herstellen.
Mit einem Teelöffel schabt man im Mund an der inneren Wange etwas
Schleimhaut ab und gibt einen winzigen Tropfen davon auf einen Objektträger.
Zur Färbung wird mit Hilfe einer Pipette oder einer Tropfflasche ein
Tropfen Methylenblaulösung hinzugegeben. Das Auflegen des Deckglases
erfolgt durch Auflegen des Gläschens auf die Kante und durch nachfolgendes
Fallenlassen. Es darf nicht zuviel Flüssigkeit genommen werden, da
sonst die Flüssigkeit über den Deckglasrand fließt. Ein
Zuviel an Flüssigkeit lässt sich mit einem Papiertaschentuch
absaugen.
Menschliche
Zellen der Mundschleimhaut (mit Methylenblau gefärbt)
Das Methylenblau färbt die Zellkerne
der Zellen blau, das Zellplasma wird hellblau gefärbt. Das Zellplasma
wird von der elastischen Zellhaut (Zellmembran) zusammengehalten. Die Zellen
sind etwa 0,1mm groß. Mit etwas Glück hängen sie noch zusammen.
In der Mundschleimhaut bilden die Epithelzellen ein geschlossenes Gewebe.
Die kleinen Kügelchen und Stäbchen stellen Bakterien dar, die
ebenfalls in der Mundhöhle leben.
Pflanzliche Zellen
in einem Zwiebelhäutchen
Eine frische Zwiebel wird enthäutet
und eine Zwiebelschuppe abgelöst. In die Innenseite ritzt man mit
dem Skalpell kleine Quadrate von ca. 0,5cm Kantenlänge und zieht mit
einer Pinzette vorsichtig ein dünnes Häutchen ab. Nachdem es
auf einem Objektträger ausgebreitet wurde, tropft man einen Tropfen
Methylenblaulösung hinzu. Nach dem Auflegen des Deckgläschens
erhält man ein Präparat, das unter dem Mikroskop deutlich den
Aufbau einer pflanzlichen Zelle zeigt. Sichtbar ist der Zellkern, umgeben
vom Zellsaftraum (Vakuole), der Wasser und Nährstoffe enthält.
In der Mitte der Zellwände erkennt man eine Mittellamelle. Aus ihr
sind die eigentlichen Zellwände entstanden. Bei genauer Beobachtung
lässt sich an der Zellwand ein Saum erkennen, das Zellplasma. Im Zellkern
findet man bei starker Vergrößerung die Kernkörperchen.
Zwiebelzellen
(mit Methylenblau gefärbt)
Chloroplasten
und Plasmaströmung bei der Wasserpest
Die Wasserpest (Elodea canadensis) ist
in jeder Aquarienabteilung eines Zoofachgeschäfts erhältlich.
Ein Blättchen wird von einer Wasserpest mit einer Pinzette abgezupft
und auf einen Objektträger gelegt. Nach dem Auftropfen eines Tropfen
Wassers legt man das Deckglas auf. Wir erkennen zunächst ein Blatt
mit einer doppelten Lage von Zellen. In der Nähe der Mittelrippe lassen
sich die langgestreckten Zellen einer Schicht am besten beobachten. Man
erkennt bei 400facher Vergrößerung deutlich die grün gefärbten
Chloroplasten, die der Zellwand entlangwandern. Die Bewegung kommt durch
eine Strömung im Zellplasma zustande, die durch sich zusammenziehende
Faser-Eiweiße im Plasma verursacht wird. Chloroplasten enthalten
Chlorophyll (Blattgrün). Dieser Farbstoff ermöglicht bei der
Wasserpflanze die Photosynthese.
Zellen
und Chloroplasten der Wasserpest bei 400facher Vergrößerung
Vergleich von tierischen und pflanzlichen
Zellen
Pflanzliche und tierische Zellen unterscheiden
sich in einigen Punkten. So fehlen der tierischen Zelle die Chloroplasten,
die Vakuolen (Zellsaftraum) und die Zellwände. Anhand der mikroskopierten
Beispiele lassen sich die Unterschiede herausarbeiten:
|
Bestandteil
|
pflanzliche
Zelle
|
tierische
Zelle
|
Funktion
|
|
Zellwand
|
ja
|
nein
|
Stabilität
|
|
Zellhaut
|
ja
|
ja
|
Stoffaustausch
|
|
Zellplasma
|
ja
|
ja
|
Transport und Verwertung
von Nährstoffen
|
|
Zellsaftraum
(Vakuole)
|
ja
|
nein
|
Wasser- und Nährstoffvorrat
|
|
Zellkern
|
ja
|
ja
|
Steuerung ("Kommandozentrale")
und Erbinformationen
|
|
Chloroplasten
|
ja
|
nein
|
Photosynthese
|
In diesem Zusammenhang kann auch ein Dauerpräparat
von menschlichem Blut (Färbung nach Pappenheim) mikroskopiert werden
(>Blutbild des Menschen). Die
weißen Blutkörperchen besitzen einen Zellkern, während
die roten Blutkörperchen aus kernlosen Zellen bestehen.
Spezialisierte
Zellen: Spaltöffnungen an der Unterseite eines Blattes der Tradescantia
Die Tradescantia ist eine in jeder Gärtnerei
erhältliche, immergrüne Topfpflanze. Am geeignetsten ist die
Tradescantia albiflora, die Blätter mit grüner Unterseite besitzt.
Eine alternative Pflanze für den Biologie-Fachraum stellt das Fleißige
Lieschen dar, das ebenfalls relativ große Spaltöffnungen hat.
Spaltöffnungsapparat
der Tradescantia bei 400facher Vergrößerung
Nach dem Einritzen mit einem Skalpell
lässt sich von der Unterseite ein dünnes Häutchen mit einer
Pinzette abziehen. Dieses wird in einem Tropfen destilliertem Wasser präpariert.
Bei 400facher Vergrößerung sieht man deutlich die Spaltöffnungen
der Blätter. Man erkennt zwei längliche Schließzellen,
die einen offenen Spalt begrenzen. Vier Nebenzellen umgrenzen die beiden
Schließzellen. Das gesamte System aus Spalt, Schließzellen
und Nebenzellen nennt man Spaltöffnungsapparat. Durch dieses System
erfolgt der Gasaustausch von Wasserdampf, Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff
mit der Atmosphäre.
Brennhaare
der Brennnessel
Die Brennnessel ist eine seit dem Mittelalter
vielfach verwendete Heilpflanze. Auf den Blättern und an den Stielen
befinden sich die kanülenförmigen Brennhaare, die sich gut unter
dem Mikroskop betrachten lassen. Zum Mikroskopieren schneidet man ein 2cm
langes Stück eines Blattstieles ab und legt dieses auf einen Objektträger.
Es wird ohne Deckglas und Wasser mikroskopiert. Es empfiehlt sich, ausgewachsene
Pflanzen zu verwenden.
Brennhaar
der Brennnessel mit Köpfchen am Ende
Das einzellige Brennhaar sitzt in einem
mehrzelligen Gewebebecher. Am Ende des Brennhaares befindet sich ein Köpfchen,
das bei Berührung abbricht. Das Brennhaar wirkt wie eine Injektionsspritze
und das Nesselgift - bestehend aus Histamin, Serotonin und Acetylcholin
- kann zum Einsatz kommen. In der Zellwand des Brennhaares ist Kieselsäure
eingelagert, die dem Haar eine starre Haltung ermöglicht.
Einzeller im
Plankton des Wassers: Grünes Augentierchen (Euglena viridis)
Früher wurde das Grüne Augentierchen
den Pflanzen zugeordnet, heute zählt man es zu den Geißeltierchen
(Flagellaten). Zuchten von Euglena (und Pantoffeltierchen, sowie Hydra)
erhält man im Laborbedarf:
In Deutschland: Hedinger
oder Klüver und Schulz
In der Schweiz: Bachmann
Lehrmittel AG
Zur Weiterzucht benötigen die Augentierchen
Nährstoffe. Am besten eignet sich hierzu etwas (ungedüngte) Gartenerde
und ein kleines Stück Schweizer Käse. Umhüllt man das Zuchtglas
mit Alufolie und lässt einen kleinen Lichtschlitz, dann kann man nach
ein paar Stunden beobachten, dass sich die Augentierchen am Licht sammeln.
Auf
dem Foto sind die langen Geißeln,
der
Augenfleck und die Chloroplasten erkennbar
Zum Mikroskopieren entnimmt man einen
Tropfen aus der Kultur und gibt ihn auf einen Objektträger. Nach dem
Auflegen des Deckglases erkennt man unter dem Mikroskop hunderte der kleinen
Einzeller. Die Lebewesen sind sehr flink, oft findet man aber auch einige
Exemplare, die stillhalten oder sich am Deckglas festsetzen. Bei 400facher
Vergrößerung lassen sich Einzelheiten erkennen, z.B. der rote
Augenfleck, die lange Geißel am Vorderende, pulsierende Vakuolen
oder die grünen Chloroplasten.
Pantoffeltierchen
(Paramecium caudatum)
Das Pantoffeltierchen gehört zu den
Wimpertierchen und kommt in fast allen Gewässern vor. Zur Weiterzucht
der Pantoffeltierchen empfehlen sich ca. 2 Stück getrocknete Kohlrabischnitzel
(1x1cm) und 2 Tropfen Kondensmilch pro Liter Wasser. Bei der Entnahme von
Pantoffeltierchen aus der Zucht mit einer Pipette verwendet man nur den
letzten Tropfen, da sich die Einzeller an der Wasseroberfläche sammeln.
Zur Einschränkung der Bewegung gibt es viele Möglichkeiten: Man
kann sie unter dem Deckglas zwischen zwei Haaren fixieren oder man nimmt
nur sehr wenig Wasser. Die Pantoffeltierchen bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten
zur Beobachtung, z.B.:
-
Beobachtung des Baus: Wimpern, Mundfeld, Zellafter,
pulsierende Vakuolen, Zellkern (an lebenden Tierchen nur nach einer Färbung
mit Karmin-Essigsäure zu sehen)
-
Fütterung mit gefärbter Hefe (Kongorot)
und Weg der Nahrung im Körper
Auf
dem Bild sind die Wimpern, das Mundfeld und
Nahrungsteilchen
im Pantoffeltierchen zu erkennen
Weitere interessante Lebewesen
Hat man eine Möglichkeit zur Beschaffung
der Kugelalge Volvox, sollte man dies den Schüler nicht vorenthalten.
Volvox globator gehört wie die Euglena zu den Geißeltierchen.
Bis zu 20000 Zellen bilden eine Kolonie in großen Gallertkugeln.
Die Einzelzellen sind durch Plasmastränge miteinander verbunden. Ob
es sich dabei um eine Kolonie von vielen Einzellern oder um einen einzigen
Vielzeller handelt, lässt sich nicht entscheiden. Volvox stellt ein
Zwischenglied zwischen den Einzellern und den Vielzellern dar. Sehr schön
lässt sich auch die Fortpflanzung der Volvox durch die Bildung von
Tochterkugeln beobachten.
Volvox
globator mit Tochterkugel
Eines der interessanten
Lebewesen zum Mikroskopieren für Schüler stellt ohne Zweifel
der Süßwasserpolyp Hydra dar. Zur Zucht schüttet man die
käufliche Hydrakultur in ein großes Gefäß mit Wasser
und gibt kleine Salinenkrebschen (Artemia-Nauplien) hinzu, die im Aquariengeschäft
erhältlich sind. Da die Polypen bis zu zwei Zentimeter groß
werden können, benötigt man Objektträger mit Vertiefung.
Nach der Zugabe von Wasser und dem Auflegen von einem Deckglas beobachtet
man die Vielzeller bei kleiner Vergrößerung. Man erkennt einen
zweischichten Körperaufbau und die Fangarme mit den Nesselkapseln.
Fangarme
des Hydra
Das Fressen der Hydra kann durch die Zugabe
von Salinenkrebschen beobachtet werden. Berührt ein Beutetier diese
Kapseln, explodieren sie und ein Nesselgift tritt heraus. Dieser Vorgang
geht jedoch so schnell, dass er kaum zu beobachten ist. Quetscht man aber
ein kleines Exemplar einer Hydra auf einem normalen Objektträger zwischen
ein Deckglas, lassen sich die abgesprengten Nesselkapseln und die Fangarme
gut beobachten.
Auf
dem Bild sind die Nesselkapseln zu erkennen (Pfeile)
Betreuen von
Plankton-Aquarien
Zur Herstellung eines Plankton-Aquariums
kauft man im Zoofachgeschäft Wasserpest und ein kleines Aquarium aus
Kunststoff. Es eignen sich aber auch andere große Glasgefäße.
Nach dem Befüllen mit Wasser gibt man die Wasserpest hinzu und stellt
das Aquarium an das Fenster an einen nicht zu sonnigen Platz. Zum Beimpfen
eignet sich ein wenig Teichwasser, als Nahrung kann man noch 1-2 getrocknete
Kohlrabischnitzel hinzugeben. Zur Herstellung der Schnitzel schneidet man
einen frischen Kohlrabi in kleine, 1x1cm große Würfel und trocknet
diese auf der Heizung.
Nach einigen Wochen oder Monaten stellt
sich im Aquarium ein ökologisches Gleichgewicht ein. Es treten verschiedene
Perioden auf. Manchmal wimmelt es im Aquarium von Rädertierchen, später
findet man mit einigem Glück auch Wasserflöhe und Wasserschnecken.