Die Ordnung der Gräser
(eigentlich Süßgrasartige - Poales) gehört wie die Orchideen
zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Die
als Nutzpflanzen bedeutendste Familie stellen die Süßgräser
(Poaceae) dar. Daneben gibt es mindestens 16 weitere Familien innerhalb
der Ordnung, beispielsweise die Familie der Riedgräser (Cyperaceae),
zu der das als Alpenpflanze bekannte Scheuchzer Wollgras (Eriophorum scheuchzeri)
gehört. Es wächst in Höhen über 1500 Meter in alpinen
Niedermooren oder Tümpeln. Seine langen Ausläufer tragen zur
Verlandung von Gewässern bei. Die als Wasserpflanzen geltenden Rohrkolbengewächse
(Typhaceae) oder die Binsengewächse (Juncaceae) bilden ebenfalls eigene
Familien bei den Gräsern.
Die Knoten der Maishalme
sind von Hüllblättern geschützt.
Die bekannten Getreidesorten
gehören zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Diese
Gräser besitzen meist runde Stängel (Halme) und auffällige,
verdickte Knoten. Ihre Blätter sind parallelnervig,
die Keimlinge kommen mit einem Keimblatt aus dem Boden. Dicht oberhalb
des Knotens ist die Wachstumsstelle, die besonders empfindlich gegen Abknicken
ist. Daher ist sie mit einer Blattscheide
umwachsen. Da wo sich die Blattscheide vom Stängel abspreizt, findet
man ein feines Häutchen, das Ligula genannt
wird. Die Süßgräser besitzen keine Einzelblüten, sondern
Ähren (Weizen, Roggen, Gerste) oder Rispen (Hafer) als Blütenstände
mit Ährchen.
Arbeitsblatt
Lösungen
Am Morgen schwellen die
Schwellkörper in den Ährchen an
und drücken die Spelzen auseinander. Die V-förmige Deckspelze
endet im Gegensatz zur durchsichtigen Vorspelze
in einer langen Granne. Innerhalb von 20 Minuten
wachsen dann die Staubfäden auf das Drei-
bis Vierfache heran. Aus den Löffelchen
rieselt der Blütenstaub, der durch den Wind verbreitet wird. Er wird
von den federartigen und weit ausgebreiteten Narben
anderer Blüten eingefangen. Nach
einiger Zeit entstehen aus den befruchteten Eizellen Körner
als Frucht. Diese Nussfrucht der Süßgräser
wird auch als Karyopse (griech. in etwa nusskernartig
aussehend) bezeichnet.
Kopiervorlage
Die Früchte der
Getreide stellen aufgrund ihres Gehalts an Kohlenhydraten, Fetten, Eiweißen,
Ballaststoffen, Mineralstoffen und Vitaminen wertvolle Nahrungsmittel dar.
Die Getreidearten wurden im Laufe der Jahrhunderte aus zahlreichen Wildgräsern
kultiviert. Wintergetreide wie Winterroggen,
Winterweizen oder Wintergerste wird im September ausgesät und im Sommer
des nächsten Jahres geerntet. Es gedeiht vor allem im mitteleuropäischen
Raum. Sommergetreide wie Hafer
oder Mais wird im März gesät und im
Sommer des gleichen Jahres geerntet. Aufgrund der langen Reifungszeit und
der Nutzung der Feuchtigkeit im Winter, sowie der Wärme im Frühling
erhält man aber bei den Winterformen erheblich bessere Ernteerträge.
Getreideproben und ihre
Körner
Der heute kultivierte
Weizen (Dinkel und Weichweizen)
besitzt in der Regel sehr kurze oder gar keine Grannen. Eine Ausnahme bildet
der Hartweizen mit langen Grannen, der daher
mit dem Roggen verwechselt werden kann (siehe Abbildung). Der Roggen
hat mittellange Grannen, die etwa gleich lang sind. Die längsten Grannen
kommen bei der Gerste vor, sie sind unterschiedlich
lang. Die Kreuzung aus Roggen und Weizen wird als Triticale
bezeichnet.
Weichweizen, Hartweizen,
Roggen, Gerste (von links nach rechts)