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Vögel am und im Wasser

Eine große Vielzahl der europäischen Vogelarten hat sich an das Leben im und am Wasser angepasst. Früher hat man diese Vögel so unterteilt. Wasservögel leben vorwiegend schwimmend auf dem Wasser und sind durch Schwimmhäute daran angepasst. Beispiele: Enten, Lappentaucher, Seetaucher, Pelikane, Kormorane, Rallen. Meeresvögel sind an das Leben im oder am Meer gebunden. Beispiele: Einige Enten, Sturmvögel, Tölpel, einige Schnepfen, Raubmöwen, Alke, Möwen, Seeschwalben. Watvögel (auch Limikolen) leben an Gewässern oder an Küsten. Zur Nahrungssuche im Schlick sind sie oft mit langen Beinen und mit speziell geformten Schnäbeln ausgestattet. Beispiele: Austernfischer, Säbelschnäbler, Regenpfeifer, Schnepfen. Diese Unterteilungen sind aufgrund der neueren Vogelsystematik nur noch wenig sinnvoll. Manche Arten können auch gleichzeitig in Süßgewässern und am Meer überleben. Einige Vogelarten, die ebenfalls an das Wasser angepasst sind, lassen sich nicht in eine dieser Gruppen zuordnen. So gehören der Eisvogel, der Fischadler und der Seeadler, sowie einige Arten der Singvögel ebenfalls zu den auf das Wasser angewiesenen Vögeln.Im folgenden wird auf einige Besonderheiten eingegangen.


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Watvogel: Pfuhlschnepfe ausgestattet mit langen Beinen und Schnabel

 
Gefieder

Ein typisches Gefieder wird bei der Stockente beschrieben.

 

Schnäbel und Nahrungserwerb

Vögel am Wasser haben speziell angepasste Schnabelformen. Watvögel wie die Bekassine oder die Uferschnepfe sind mit Bewegungssensoren an der Schnabelspitze ausgestattet. Die Schnäbel der Watvögel dienen zum Stochern, Bohren oder Hämmern (vgl. Austernfischer, Brachvogel). Je länger der Schnabel und die Beine sind, umso tieferes Wasser erschließt sich zur Nahrungssuche (vgl. Stelzenläufer, Pfuhlschnepfe). Immer sind die Schnäbel an die jeweiligen Umgebungsbedingungen optimal angepasst (vgl. Rosaflamingo, Löffelente, Pelikane, Löffler, Steinwälzer). Auch Aasfresser kommen vor (z.B. Eissturmvogel, Möwen). Eine spezielle Form des Nahrungserwerbs findet man bei den Raubmöwen: Die Schmarotzerraubmöwe verfolgt andere Vögel so lange, bis diese den frisch gefangenen Fisch loslassen oder wieder herauskotzen, so kommt die Schmarotzerraubmöwe auf ihre Kosten. Bei den Dreizehenmöwen können die jungen Vögel im Nest sogar ausschließlich nur vorverdaute Nahrung fressen.
 
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Schwimmen und Tauchen

Die Beine und Füße eignen sich vor allem zum Schwimmen und Tauchen, die Füße sind oft mit Schwimmhäuten oder Schwimmlappen ausgestattet. Manche Vögel wie der Papageitaucher benützen beim Tauchen ihre Flügel wie Flossen. Der Tiefenrekord mit 210 Metern hält die Dickschnabellumme. Typische Tauchenten wie die Bergente suchen ihre Nahrung am Grund der Gewässer, andere Vögel wie die Stockente oder der Höckerschwan gründeln, Lappentaucher und Seetaucher jagen unter Wasser nach Fischen oder anderen schwimmenden Lebewesen.
  
 
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Zwergtaucher mit Fisch
 


Laufen

Sind die Beine auf das Laufen spezialisiert, dann werden diese auch gerne eingesetzt. Watvögel treten mit den Füßen auf den Schlick, um Würmer hervorzulocken, sie laufen mit ihren langen Beinen bei der Nahrungssuche oft ausgiebig im im Schlick oder im seichten Wasser. Sanderlinge rennen bei Störungungen lieber weg, während andere Arten sofort auffliegen.
 

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Der Tanz der Sanderlinge  


Fliegen

Obwohl viele Vögel das Wasser lieben, leisten sie manchmal beim Fliegen Erstaunliches. Basstölpel entfernen sich bei der täglichen Nahrungssuche bis zu 300km vom Brutplatz. Sie fangen ihre Nahrung durch Stoßtauchen (vgl. Basstölpel, Seeschwalben, Eisvogel). Küstenseeschwalben halten den Langstreckenrekord, sie fliegen jährlich insgesamt bis zu 50000 Kilometer. Pfuhlschnepfen können bis zu 11500 Kilometer an einem Stück zurücklegen: Ein Vogel aus Alaska stellte diesen Rekord auf und flog im Nonstopflug bis nach Neuseeland.
 

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Basstölpel: Flugbild und beim Stoßtauchen  


Paarungsrituale

Haubentaucher veranstalten beim Balzritual einen Schwimmtanz, Bekassinen vollführen einen Schauflug oder stolzieren nebeneinander her. Kraniche oder die Kampfläufer führen gemeinsam an traditionellen Plätzen eine Gruppenbalz durch. Bei der Küstenseeschwalbe streiten sich die Partner oft, hier besänftigt das Männchen das Weibchen, in dem es diese mit Fischen füttert, so wird es paarungswillig. Rohrdommeln haben bis zu 5 Partnerinnen gleichzeitig, daher ist es von Bedeutung, dass ihr dumpfer und tiefer Ruf weithin hörbar ist. Andere Arten gehen während der Brutzeit eine besonders enge Paarbindung ein.
  

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Haubentaucher bei der Balz, im Nest und mit Jungen auf dem Rücken  


Brutverhalten

Während Enten eher eine große Zahl an Eiern legen, wird bei manchen anderen Arten nur ein einziges Ei gelegt (z.B. Basstölpel, Papageitaucher, Tordalk, Trottellumme). Die Jungvögel der Kormorane oder die Küken der Dreizehenmöwe sind typische Nesthocker - sie sind stark von der Pflege der Eltern abhängig - während bei den Entenvögeln, Rallen und Kranichen eher Nestflüchter vorkommen. Bei diesen Arten ist die Pflege nicht so intensiv, dafür kümmern sich die Eltern relativ lange um die Jungen, auch nach dem Verlassen des Nestes.
 

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Dreizehenmöwen mit ihrem Nest im Vogelfelsen  



Nestbau

Das Nest wird oft am Boden in Wassernähe aus Pflanzenmaterialien gebaut. Zum Schutz vor Räuber gibt es verschiedene Strategien. Manche wehrlose Arten suchen die Nähe von stärkeren Vögeln (Seeregenpfeifer suchen beispielsweise Austernfischer), oder sie brüten in großen Brutkolonien (Küstenseeschwalbe, Silbermöwe) und die Feinde werden gemeinsam verteidigt. Bodennester (z.B. beim Flussregenpfeifer) sind manchmal so gut getarnt, dass selbst ein geübtes Auge aus wenigen Metern Entfernung das Nest nicht entdecken kann. Schilfbrüter verstecken ihr Nest im dichten Röhricht. Einen guten Schutz bewirken auch Bruthöhlen (Papageitaucher, Eisvogel, Uferschwalbe) oder die Nester sind an schwer zugänglichen Stellen an der Felsküste. Die Trottellumme baut kein Nest, sondern legt das einzige Ei direkt auf den Felssims, wo sie es auch ausbrütet und das Junge großzieht (vgl. auch Nestbau der Vögel).
 

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Trottellummen bei der Paarung und beim Brüten  


In großen Vogelfelsen wie beim Latrabjarg in Island wohnen manchmal Millionen von Vögeln. Dabei bevorzugen die einzelnen Arten spezielle Plätze und im Felsen herrscht eine strenge Ordnung. Das nachfolgende Foto zeigt einen Küstenabschnitt auf der Handa-Insel in Schottland. Wenn auch nicht alle genannten Arten dort an dieser Stelle vorkommen, soll anhand des Bildes verdeutlicht werden, welche Arten wo am liebsten brüten.
 



Die Papageitaucher bauen ihre Brutröhren ganz oben in der Grasnarbe. Gute Sonnenplätze im oberen Bereich sind begehrt, dort werden die Papageitaucher oft vom Tordalk verdrängt. Aber auch die Eissturmvögel findet man in diesem Bereich, sie brüten gerne auf noch bewachsenen Felssimsen. Weiter unten, an den schwer zugänglichen Stellen brüten die Trottellummen ihr einziges Ei aus. Oft bilden sie dabei eine Brutkolonie mit den Dreizehenmöwen, die dort kunstvoll Nester gebaut haben. Im unteren Bereich der Felsen halten sich die Krähenscharben auf, sie lieben die Nähe zum Wasser. Die Gryllteisten legen ihre beiden Eier nahe am Wasser in eine Felsspalte. Der Skua ist der gefährlichste Räuber für den Vogelfelsen, er brütet im Hinterland oberhalb der Klippen auf den Graswiesen.
 
 
Copyright: T. Seilnacht